NATURFOTOGRAFIE - den Herzschlag der Natur im Sucher


 

Wenn ich gefragt werde, welchen Beruf ich ausübe, und ich antworte: "Ich bin Naturfotograf", dann blicke ich meistens in fragende Augen. Naturfotografen, sind das diese Spinner, die tagelang hinter irgendwelchen Tieren nachschleichen, um dann mit einem einzigen Bild nach Hause zu kommen? Und wie wird man eigentlich Naturfotograf? Gibt es da eine Ausbildung oder gar eine "Naturfotografenschule"?

Fragen wie diese zeigen mir immer wieder, dass sich nur sehr wenige vorstellen können, wie meine Arbeit tatsächlich aussieht. Darum versuche ich hier meine Leidenschaft zu beschreiben und anhand einiger Beispiele und Geschichten einen Einblick in meinen Tagesablauf zu geben.

Damit sind wir schon beim Kern der Sache: Naturfotograf ist eigentlich gar kein Beruf, sondern eine Berufung. Man kann den Job auch nicht wie jeden anderen erlernen. Das Lernen geschieht viel mehr, indem man vieles einfach versucht und ausprobiert. Und noch etwas, es wird wohl nur wenige Naturfotografen geben, die von Kindheit an hier ihren Traumjob gesehen haben. Diesen Beruf kann man nämlich auch nicht planen, der "passiert" einfach so.

 
Zweifelsfrei ist die Naturfotografie jener fotografische Bereich mit der größten Vielfalt an Motiven. Die Auswahl reicht von winzig kleinen Lebewesen bis hin zu riesigen Bergen. Allein die Tierwelt umfasst mehr als eine Million Arten und jede davon bietet Stoff für gleich mehrere Bücher.

Um alle diese Motive fotografisch erfassen zu können, ist eine reichhaltige Palette von Objektiven, Kameras, Stativen und anderen Hilfsmitteln notwendig.

Naturfotograf zu sein bedeutet, drei Berufe gleichzeitig zu haben, zumindest ist das dann so, wenn man ein Einmannunternehmen ist, so wie ich eines bin. Da ist einmal der Fotograf, der seine Ausrüstung beherrschen muss und in der Lage sein sollte, gute Bilder damit zu machen. Und dann ist da der Biologe, der über Pflanzen und Tiere bestens Bescheid wissen sollte. Schlussendlich müssen die Bilder an den Mann gebracht, sprich verkauft werden. Da wird dann der Naturfotograf zum "Geschäftsmann" und muss sich um Kunden bemühen, Angebote schreiben oder Steuererklärungen ausfüllen.

Nur diese Kombination macht es möglich, Naturfotograf zu sein. Halt, da hätte ich jetzt bald etwas Wichtigstes vergessen: Naturfotografen brauchen auch zwei wichtige Eigenschaften, sie müssen Ausdauer und Geduld besitzen, sonst nützen die Kenntnisse in der Fotografie und Biologie nur wenig.

   
    Um Fröschen, Libellen und anderen wassergebundenen Lebewesen nahe zu kommen, verwende ich eine Wathose und steige damit ins meist kühle Nass.
 

Ich kenne einige Naturfotografen, die in ihrer Freizeit diese Art der Fotografie betreiben. Da diese Menschen ja noch einen "richtigen Beruf" haben, der einen großen Teil ihrer Zeit beansprucht, haben sich einige auf einen bestimmten Bereich der Naturfotografie spezialisiert. Muss man jedoch von dieser Art der Fotografie leben, dann ist es notwendig, alle Bereiche abzudecken.
Die Naturfotografie konzentriert sich auf drei Themen: Landschaften, Pflanzen und Tiere. Was die beiden letztgenannten angeht, so gibt es hier noch eine spezielle Art der Naturfotografie, nämlich die Makrofotografie. Bei diesen Nahaufnahmen dringt man mit der Kamera in Bereiche vor, die unserem Auge im Normalfall verborgen bleiben. Dabei wird die faszinierende Innenwelt der Insekten, der Blätter etc. sichtbar.
Welches dieser drei Themen das schwierigste ist, wage ich nicht zu beantworten. In jedem Bereich werden an den Fotografen unterschiedliche Ansprüche gestellt. Will man beeindruckende Landschaften festhalten, bedeutet das oft, dass man weit reisen muss, oder, so wie es sich in Tirol darstellt, oft sehr weite Fußmärsche auf sich nehmen muss. Da Tirol zum Großteil aus Bergen besteht, heißt das auch, steile und anstrengende Auf- und Abstiege bewältigen zu müssen.
Meist ist es notwendig, einen fotogenen Platz mehrmals aufzusuchen, um ansprechende Stimmungen und "das richtige Licht" zu erhaschen. Dabei sind die frühen Morgenstunden und das letzte Licht des Tages besonders attraktiv.
Um diese Stunden ohne Zeitdruck zu erleben, bleibe ich oft am Ort und übernachte in den Bergen. Das dichte Netz an Alpenvereinshütten ist hier sehr hilfreich, aber auch im Zelt oder unter freiem Himmel hab ich schon so manche Nacht im Gebirge verbracht.
In Tirol hat der Landschaftsfotograf noch mit einem anderen Umstand zu kämpfen. Fast überall finden sich menschliche Spuren, sei es eine Seilbahn am gegenüber liegenden Berghang, ein Forstweg oder nur ein Wegweiser. Solche Dinge gehören nicht auf ein Naturfoto, hier erwartet der Betrachter "Natur pur". Daher ist es manchmal fast eine Kunst, Landschaftsbilder so zu gestalten, dass man diese Dinge nicht sieht.

 
   
Hier versuche ich den Obersee, am Staller-Sattel im Grenzgebiet von Ost- und Südtirol gelegen, ins rechte Licht zu rücken. Hinter dem tiefblauen See ragt die Rote Wand und die Höllensteinspitze in den Himmel. Um ungewöhnliche Perspektiven zu erhalten, braucht es ungewöhnliche Kamerastandpunkte und Fotografen die am Boden herumkriechen.  

Die Landschaftsfotografie führt mich oft weit hinauf in die grandiose Bergwelt der Alpen.
In dieser Welt der Felsriesen und Gletscher relativieren sich viele Dinge und selbst komme ich mir da oft klein und unscheinbar vor, wenn ich versuche, mit meiner winzigen Kamera diese Größen zu erfassen.

 

Bei der Fotografie von Wildpflanzen wird man auf ganz andere Weise gefordert. Hier ist es vor allem die Fülle an Lebewesen, (es gibt in Tirol etwa 10.000 Arten), und deren vielfältige Erscheinungsformen. Angefangen bei den ca. 3.000 Blütenpflanzen über die oftmals winzigen Moose, Flechten und Pilze bis hin zu den Sträuchern und Bäumen, wartet hier ein unerschöpfliches Betätigungsfeld.
Beste Kenntnisse der Pflanzenbiologie sind notwendig, um Standort, Zeit des Wachstums oder Blütezeit zu wissen. Auch biologische Zusammenhänge sind wichtig. So gibt es viele Arten des Zusammenlebens von Pflanzen mit Tieren, so genannte Symbiosen, die interessante Motive ergeben.
Viele Naturfotografen verfallen bei dieser Motivvielfalt in eine Art Sammelleidenschaft. So wie andere Briefmarken sammeln, horten sie Pflanzenbilder. Dabei vergessen sie oft auf einen wichtigen Aspekt der Fotografie: die künstlerische Gestaltung eines Bildes. Es ist zum Beispiel gar nicht so leicht, eine einzelne Pflanze aus dem Wirrwarr einer Wiese fotografisch herauszupicken und harmonisch abzubilden. Meist erweist sich ein lebhafter Hintergrund als störend und nimmt dem Bild die Ruhe. Da heißt es die technische Seite der Naturfotografie hervorzukehren und über die Wahl des Objektivs und der Kameraeinstellungen zum Ziel zu gelangen. Wenn ich Pflanzen fotografiere, verwende ich meist mehr Zeit mit der Gestaltung des Hintergrunds als mit dem eigentlichen Motiv. Dabei haben sich schon so manche Menschen über mich gewundert, wenn sie mich am Bauch liegend oder zwischen den Stativbeinen am Boden kauernd vorgefunden haben.

 

Eine kleine Geschichte, die in einer solchen Situation passiert ist: Ich war im Wald unterwegs, um Pilze abzubilden. Auf einem vermoderten Ast fand ich ein winziges Exemplar mit einer leuchtend blauen Kappe. Ich platzierte mein Stativ direkt über dem Pilz und montierte die Kamera verkehrt herum (siehe Bild). Dann breitete ich einen Plastiksack auf den nassen Boden und legte mich darauf, den Kopf nahe am Boden, um durch die Kamera blicken zu können. Ganz mit dem Motiv beschäftigt hörte ich Schritte auf mich zukommen und dann fragende Stimmen: "Brauchen Sie Hilfe, ist Ihnen übel geworden oder sollen wir einen Arzt holen?". Zwei ältere Damen standen mit sorgenvollem Blick direkt hinter mir. Mit etwas Mühe krabbelte ich unter dem Stativ hervor und versuchte den beiden mein Tun zu erklären. Grinsend und kopfschüttelnd wanderten die Seniorinnen dann weiter und ich schlüpfte wieder hinunter zu meinem kleinen Pilz.
Nun von der Pflanzen- zur Tierfotografie: Ich wage zu behaupten, dass sie die "Königsklasse" der Naturfotografie darstellt. Tiere halte ich für die spannendsten und schwierigsten Motive in der Natur.
Auch technisch werden hier an die Ausrüstung und den Fotografen die höchsten Ansprüche gestellt. Es braucht starke Teleobjektive und ein stabiles Stativ, um Tiere entsprechend abbilden zu können. Von Laien wird die Leistung von Teleobjektiven oft maßlos überschätzt. Dazu ein Beispiel: Ein Reh am Waldrand scheint mit einem durchschnittlichen Fernglas aus einer Entfernung von 100 Metern schon zum Greifen nahe, dagegen wird selbst mit einem starken Teleobjektiv das Tier nur etwa vier Millimeter groß am Negativ (24 x 36 mm) dargestellt. Um es "bildfüllend" zu fotografieren, muss der Naturfotograf auf etwa 30 Metern an das Reh heran.
Da unsere Wildtiere sehr scheu sind, ist diese Annäherung ohne Hilfsmittel meist nicht möglich. Ich verwende dazu eine ganze Reihe unterschiedlicher Verstecke, von der fix installierten Hütte über transportable Tarnzelte bis zu einem schwimmenden Versteck für Aufnahmen knapp oberhalb des Wasserspiegels.

 
     
Ein kleines, sehr leichtes und schnell auffaltbares Zelt eignet sich besonders gut für kurze Einsätze.
 
Der Transport der Ausrüstung ist sehr aufwändig. Das Teleobjektiv, die Kamera, das Stativ, das Tarnzelt und ein kleiner Hocker, etwas zum Essen und Trinken sowie ein gutes Buch für die oft lange Wartezeit, sind meine Minimalausrüstung.

Verpackt wird die teure Kamera und das noch teurere Objektiv in einen gut gepolsterten Fotorucksack. Der Rest wird umgehängt oder geschultert und dann heißt es schleppen. Wo es geht, verwende ich einen kleinen Transportwagen oder ein Klappfahrrad. Beides erleichtert den Transport erheblich.

   
 
 

Ist der Einsatz eines Tarnverstecks nicht möglich, kann man versuchen sich selbst den Farben der Umgebung anzupassen. Abgeschaut habe ich mir diesen Trick von Schneehühnern und Schneehasen. Diese Tiere kleiden sich während der Wintermonate in weiß und sind so im Schnee perfekt getarnt. So perfekt ist meine Körpertarnung nicht, wie man auf diesem Bild unschwer erkennen kann, doch in Kombination mit einem weißen Tuch ist es auch mir möglich, "fast unsichtbar" zu werden.

 

Bei der Tierfotografie werden Ausdauer und Geduld oft auf eine harte Probe gestellt. Ich hab mir da persönlich einen Leitsatz zurechtgelegt: "Fünf Stunden zu warten, können fünf Minuten zu wenig sein". Und obwohl ich mir diesen Satz immer wieder in Erinnerung rufe, kommt es manchmal vor, dass ich einmalige Gelegenheiten verpasse.
Dazu wieder eine kleine Geschichte: Im Frühjahr 2000 sah ich in der Nähe meines Heimatortes Schwaz einen Schwarzmilan fliegen. Im Normalfall ist das eigentlich nichts Besonderes, diese großen Greifvögel sind Zugvögel und passieren im Frühling regelmäßig das Inntal. Diesen Vogel sah ich jedoch mehrmals im selben Gebiet und mein Freund und Tierarzt Christian Messner, wie ich ein leidenschaftlicher Naturfotograf, hatte ihn ebenfalls dort beobachtet. Ein Telefonat mit dem zuständigen Berufsjäger Hans Kohler bestätigte unsere Beobachtungen, auch er hatte den Vogel mehrmals gesichtet. Von da an beschäftigte ich mich intensiver mit dem Tier. Es dauerte einige Tage und ich entdeckte einen zweiten Schwarzmilan. Die Vögel waren jetzt gemeinsam unterwegs und ihr Aktionsradius schränkte sich immer mehr auf einen steilen Felshang mit einzelnen Kiefern ein. Ein Absuchen des Gebietes mit dem Fernglas brachte dann die Gewissheit: Die Milane waren mit dem Bau eines Horstes in einer alten Kiefer beschäftigt.
Eine Nachfrage beim Landesmuseum und bei einigen Ornithologen ergab, dass es bis jetzt nur einen einzelnen  Nachweis einer Brut aus dem Jahr 1971 in Nordtirol gab. Schwarzmilane sind Wärme liebende Vögel und die Klimaerwärmung hatte jetzt wohl auch Nordtirol zu einem attraktiven Brutgebiet werden lassen.
Immer wieder beobachtete ich die grandiosen Flugkünste der beiden, sah wie sie ihre Jungen aufzogen und konnte auch die ersten Flugversuche der Jungmilane miterleben. Im Jahr 2001 reifte dann der Gedanke, die Schwarzmilane zu fotografieren. Ich zog einschlägige Literatur zu Rate und las, dass Schwarzmilane gerne Aas fressen. Gemeinsam mit dem Berufsjäger versuchte ich die Vögel mit Futter anzulocken - leider ohne Erfolg. Auch im folgenden Jahr misslangen diese Versuche und ich hatte die Hoffnung auf ein Bild so gut wie aufgegeben.

Im Jahr 2005 ergab sich dann unerwartet doch noch eine Möglichkeit. Hans Kohler rief mich an, er hatte ein von einem Auto überfahrenes Reh gefunden. Ich entschloss mich zu einem erneuten Versuch, damit die Milane, die auch in diesem Jahr wieder den Horst bezogen hatten, anzulocken. An einem ruhigen und versteckten Platz präsentierte ich ihnen das Futter. Am folgenden Tag fuhr ich mit meinem Auto nahe dieser Stelle vorbei und sah einen Milan im Sturzflug auf meinen Futterplatz zusteuern. Auf dem Rückweg kletterte ich zum Reh hinauf und bemerkte, dass der Milan bereits davon gefressen hatte. Schnell baute ich ein Tarnzelt auf und am nächsten Morgen legte ich mich auf die Lauer. Es dauerte nicht lange und ich hörte den jammernden Ruf eines Milans über mir. Bald darauf ein kurzes Rauschen und er saß vor mir, mein erster Schwarzmilan.
Mein Finger lag am Auslöser und Bild für Bild landete auf der Speicherkarte meiner Kamera. Stundenlang erfolgte Anflug auf Anflug. Abwechselnd kamen die Greifvögel und holten Futter für die fast flüggen Jungen. Anscheinend brauchten die Jungmilane in dieser Phase so viel Nahrung, dass ihre Eltern jede mögliche Quelle nutzen mussten.

Kurz vor Mittag, ich hatte schon mehr als hundert Bilder im Kasten, brach ich das Fotografieren ab, packte meine Ausrüstung zusammen und wollte gerade aus dem Zelt schlüpfen, als ich den Ruf eines anfliegenden Milans hörte. Um die Tiere nicht zu beunruhigen, beschloss ich zu warten, bis der Vogel wieder fort war. Dann geschah jedoch etwas Einmaliges: Der zweite Altvogel ließ sich direkt neben seinem Partner auf einer alten Wurzel nieder und zärtlich begannen die Tiere mit der gegenseitigen Gefiederpflege. So ein Verhalten hatte ich in der freien Natur noch nie beobachtet! Mir blieb nur mehr der Blick aus dem Tarnzelt und die Speicherung der Bilder in meinem Kopf. Mit zweigeteilten Gefühlen erinnerte ich mich an meinen Leitsatz: "Fünf Stunden zu warten, können fünf Minuten zu wenig sein". Einerseits hatte ich das erste Mal in meinem Leben Fotos eines Schwarzmilans gemacht, andererseits eine einmalige Situation verpasst!

 
Tarnverstecke sind ein ideales Hilfsmittel bei der Tierfotografie. Ich verwende feste Ansitze ebenso wie unterschiedliche transportable Tarnzelte. Die Ansitze baue ich an guten Fotoplätzen und dort bleiben sie dann oft über Jahre stehen. Die Tiere gewöhnen sich vollkommen daran und sehen die Hütten als Teil der Landschaft.
Perfekte Tarnung ist ein Voraussetzung dafür, von Tieren nicht entdeckt zu werden. Erst wenn das Objektiv aus dem Versteck hervorlugt, kann man erkennen, was dahinter steckt.
   
 

Tierfotografie bedeutet für mich aber auch noch etwas ganz anderes, nämlich ein hohes Maß an Verantwortung und Rücksicht gegenüber dem jeweiligen Lebewesen. Wenn ich, ohne ein Versteck zu verwenden, fotografiere und einem Tier meine Anwesenheit dadurch bewusst ist, versuche ich immer sein Wohlbefinden zu erahnen. Manchmal sind es kaum merkbare Hinweise, die mir sagen, dass ich jetzt zu nahe bin oder meine Anwesenheit überhaupt nicht erwünscht ist - dann ziehe ich mich zurück! Kein Foto ist es wert, einem Tier zu schaden.

Eine große Einschränkung bei der Tierfotografie, zumindest in weiten Teilen Europas, ist die Scheu der Tiere vor dem Menschen. Der Grund dafür ist die jahrhundertelange Bejagung, bei der immer die zutraulichen und unbekümmerten Tiere zuerst erlegt wurden und die vorsichtigen, scheuen und misstrauischen überlebten. Wie wir von Darwins Evolutionstheorie wissen, entwickeln sich Lebewesen aufgrund solcher Erfahrungen entsprechend weiter und so wurde es auch von Generation zu Generation immer schwieriger, sich den Wildtieren zu nähern.

 

Die Zelte werden zusätzlich mit Ästen, Zweigen oder Schilf getarnt und verschwinden dadurch in der Landschaft. Hier ist mein Freund und Tierfilmer Christian Lechner mit der Tarnung seines Zeltes beschäftigt. Es ist von Vorteil, die Tarnzelte schon einige Tage vor dem eigentlichen Fotoshooting aufzubauen, so können sich die Tiere an das Neue gewöhnen.

   
 

In anderen Gegenden der Erde gestaltet sich die Tierfotografie wesentlich einfacher. Mein Lieblingsgebiet ist diesbezüglich der Yellowstone-Nationalpark in den nordamerikanischen Rocky Mountains. Dieser Park wurde 1872 gegründet und war somit der erste Nationalpark der Welt.
Seine Größe entspricht etwa der von Nordtirol. In vielen Teilen gleichen sich auch die Landschaften, und im Yellowstone leben heute noch jene Tiere, die einst auch Nord-, Süd- und Osttirol bevölkert hatten. Trotz einer Besucherzahl von weit über zwei Millionen pro Jahr und unzähliger Freizeitaktivitäten wie Klettern, Raften und Mountainbiken, zeigen die Wildtiere kaum Scheu vor dem Menschen. Im Nationalpark wird nicht gejagt und die Tiere haben schlichtweg vergessen, sich zu fürchten.

Einen sehr hohen Stellenwert bei meiner Fotoarbeit nimmt die Makrofotografie ein. Nahaufnahmen von Blüten, Insekten, Pilzen und anderen Kleinlebewesen faszinieren mich ungemein. Der Blick durch den Sucher eröffnet eine eigene und großteils unbekannte Welt. Eine Welt, die nicht im normalen Blickfeld von uns Menschen liegt und nur mit Hilfe von Spezialobjektiven einsehbar wird.
Makrofotografie unterliegt eigenen Gesetzen. Das beginnt schon bei der idealen Tageszeit und Beleuchtung. Wenn ich zum Beispiel unterwegs bin, um Bilder von Insekten zu machen, dann starte ich schon sehr früh, meistens vor dem ersten Morgengrauen. Am liebsten ist mir, wenn der Himmel bewölkt ist. Absolute Windstille ist eine weitere Voraussetzung - denn der kleinste Hauch erscheint beim Blick durch das Okular der Kamera wie ein Orkan. Gut ist auch, wenn es am Morgen sehr kühl ist. Denn dann sitzen die Insekten unbeweglich da und warten auf die Wärme der Sonne. All diese Faktoren treffen gerne im späten Sommer zusammen, dazu kommt noch, dass sich in dieser Zeit oft Tau auf den Insekten niederschlägt, der einen zusätzlichen optischen Reiz bietet.
Unverzichtbar ist bei der Makrofotografie ein stabiles und flexibles Stativ. Oft hat man wenig Licht zur Verfügung und es entstehen dadurch lange Belichtungszeiten. Zudem braucht man eine Hand, um die Kamera zu bedienen, die andere um das Motiv auszuleuchten.
Dafür habe ich noch nie ein Blitzgerät verwendet. Das Blitzlicht ist mir für diese Art der Fotografie viel zu hart und unnatürlich. Gut dagegen funktioniert die gezielte "Umleitung" des Tageslichtes mit Hilfe einer reflektierenden Folie. Diese Reflektoren sind im Fachhandel erhältlich.
Als Stativ für Nahaufnahmen gibt es für mich eigentlich nur ein brauchbares Modell, nämlich das der englischen Firma Benbo. Dieses Stativ ist ein Wunder an Flexibilität und man kann es an jedem beliebigen Ort aufbauen. Die drei Beine lassen sich in jedem Winkel und beliebig hoch positionieren und die um 360° drehbare Mittelsäule erlaubt jede erdenkliche Kameraposition. Das Stativ hat einen zentralen Spannhebel, der die Beine und gleichzeitig die Mittelsäule fixiert. Ist der Spannhebel geöffnet, pendeln die drei Beine unkontrolliert durch die Gegend und es braucht schon einige Übung, um mit diesem Stativ klarzukommen. Ich könnte mir meine Arbeit ohne das Benbo-Stativ nicht mehr vorstellen, es hat mich noch in keiner Situation im Stich gelassen.

 

  Um eine möglichst tiefe Kameraposition zu erzielen, verwende ich mein heiß geliebtes Benbo-Stativ. Ohne dieses Hilfsmittel wären Nahaufnahmen von Lebewesen, die nahe am Boden leben, nur schwer möglich. Bei diesem Stativ lassen sich die Beine in jede beliebige Position bringen und man kann die Mittelsäule auch nach unten drehen. So ist es möglich, die Kamera verkehrt herum an das Stativ zu klemmen und nur wenige Zentimeter über dem Boden zu fotografieren.
 

Ein Umstand, der mir oft zu schaffen macht, sind widrige Witterungsverhältnisse. Besonders im Winter schränkt die Kälte meine Arbeit manchmal sehr ein, und es braucht schon einige Hilfsmittel, um einen klirrenden Wintermorgen im winzigen Tarnzelt gut zu überstehen.
Hat es draußen unter 0 Grad Celsius und man kann sich frei bewegen, ist das nicht so dramatisch - durch die Bewegung bleibt der Körper warm. Im engen Versteck ist es mit der Bewegung schnell vorbei und langsam kriecht die Kälte in alle Körperteile. Besonders die Füße sind hier sehr anfällig, und wenn diese eiskalt sind, dann schlottert man bald am ganzen Körper.
Wegen dieses Problems hab ich mir eine Heizung für meine Schuhe angeschafft. Zwei Akkus sorgen für die nötige Energie und kleine Heizflächen unter den Zehen halten die Füße für mehrere Stunden wohlig warm. So lässt es sich im Tarnzelt schon einige Zeit aushalten.
Auch zu diesem Thema eine kleine Geschichte: An einem eisigen Wintertag lag ich mit meiner Kamera auf der Lauer, um Vögel zu fotografieren. Die Schuhheizung lieferte mir gute Dienste und auch an Motiven mangelte es nicht. So vergingen einige spannende Stunden, bis mich mein Magen lautstark erinnerte, dass es bald Mittag war. Ich beschloss mich auf den Heimweg zu machen, packte meine Ausrüstung in den Fotorucksack und klappte das Stativ zusammen. Nachdem ich den Reißverschluss des Zeltes geöffnet hatte, wollte ich hinausklettern, aber irgendwas hielt mich am Boden fest! Ich rutsche zurück ins Zelt und suchte nach der Ursache. Was ich dann entdeckte, konnte ich zuerst gar nicht glauben: Meine Schuhe waren am Boden festgefroren! Der Grund dafür war meine geliebte Schuhheizung. Diese hatte nicht nur meine Zehen warm gehalten, sondern auch den Schnee unter den Schuhen zum Schmelzen gebracht. Als dann die Leistung der Akkus langsam nachließ, bildete sich eine dünne Eisschicht unter den Stiefeln und fixierte diese am Boden. Ich musste aus den Schuhen herausschlüpfen, um sie durch seitliche Schläge freizubekommen.
Der Heimweg fiel mir an diesem Tag besonders leicht, denn immer wieder musste ich an mein Missgeschick denken und herzlich darüber lachen.

 

Manchmal verwende ich auch mein Auto zum Übernachten. Passiert das weit droben in den Bergen, kann eine Nacht schon recht frisch werden. Ein mit Reif überzogenes Fahrzeug ist der Beweis für nächtliche Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

 
 
Manchmal macht man als Naturfotograf Sachen, bei denen man sich besser nicht beobachten lassen sollte und die für Außenstehende vollkommen unverständlich erscheinen mögen. Hier arbeite ich als "Landschaftspfleger" und versuche eine glatte Schneefläche zu erzeugen. Die Vorgeschichte dazu ist folgende: Ich hatte gemeinsam mit meinem Freund und Hobbynaturfotografen Markus Springer einen Winteransitz errichtet. Dort fotografierten wir Vögel, vorrangig hatten wir es auf Mäusebussarde abgesehnen. Wir präsentierten den Vögeln Fleischreste und diese ließen nicht lange auf sich warten. Vollkommen ausgehungert und geschwächt durch den langen und harten Winter, kamen sie in großer Zahl.
Wir hatten einige Äste als Anflugmöglichkeit für die Bussarde in den Schnee gesteckt und diese wurden von ihnen auch gerne benutzt. Dann kam es jedoch zu Situationen, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Durch die Vielzahl der Vögel ließen sich oft mehrere gleichzeitig am Boden nieder und es kam immer wieder zu Streitigkeiten um das Futter. Wir konnten diese spannenden Momente aber nur bedingt fotografieren, weil der Schnee durch unsere eigenen Fußspuren viele Unebenheiten aufwies und die Vögel dadurch oft teilweise verdeckt wurden. Um wieder ungestört fotografieren zu können, mussten wir die Landschaft in mühevoller Arbeit einebnen. Der nächste Schneefall erledigte den Rest und der Mühe Lohn waren einige gute Bilder.
 
 

Abschließend schildere ich noch ein wenig meine Arbeit, die nicht in der freien Natur, sondern im Büro zu erledigen ist. Der größte Teil davon ist die Bearbeitung und Verwaltung meiner Bilder am Computer. Seit dem Einzug der Digitalfotografie hat sich sehr viel verändert. Im Frühling 2005 entschloss ich mich, nach langem Zögern, eine digitale Spiegelreflexkamera zu kaufen. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war dieser Zeitpunkt ideal. Davor war diese Technik noch zu wenig ausgereift und Digitalfotografen kämpften mit großen Problemen. Meine erste Digitale erwies sich jedoch als zuverlässige Kamera und auch die Bildqualität war beeindruckend. Zudem gab sie mir die Möglichkeit, das Ergebnis meiner Fotografie gleich am Ort kontrollieren zu können. Im Bereich der Naturfotografie hat man oft nur einmal die Chance auf ein bestimmtes Motiv. Als ich noch mit Diafilmen arbeitete, dauerte es zumindest zwei Tage, bis ich das Ergebnis in Händen hielt - und war das Resultat für mich nicht zufrieden stellend, war es meistens zu spät für einen nochmaligen Anlauf.
Inzwischen hat sich die Qualität der Digitalkameras noch einmal entscheidend verbessert und seit Mai 2006 arbeite ich mit einer neuen Ausrüstung, die mir ein wesentlich flexibleres und hochwertigeres Fotografieren ermöglicht.
Auch im Bereich der Bildbearbeitung hat die Digitaltechnik völlig neue Welten erschaffen. Begann es früher damit, die Diafilme mühevoll zu sichten und das gute Material zu rahmen und einzuscannen, so wandern heute die Bilddaten direkt von der Kamera in den Computer und es bedarf nur weniger Arbeitsschritte. Dabei beschränke ich mich lediglich darauf, die exakten Farben und die Helligkeit des Bildes an das Original anzupassen. Jede andere Bildbearbeitung hat aus meiner Sicht im Bereich der Naturfotografie nichts verloren, ein Naturfoto muss immer authentisch sein.

 
 

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit spielt sich im Büro ab, die Vermarktung meiner Bilder.

 
Ich hoffe, die Arbeit eines Naturfotografen etwas transparenter gemacht und dabei auch etwas von meiner Naturbegeisterung weitergegeben zu haben. Unsere Natur ist so bedroht wie nie zuvor und braucht viele Verbündete. Diese vielfältige Bedrohung kann man jedoch nur erkennen, wenn man die Natur versteht!