NATURFOTOGRAFIE - den Herzschlag der Natur im Sucher
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Wenn ich gefragt werde, welchen Beruf ich ausübe, und ich antworte: "Ich bin Naturfotograf", dann blicke ich meistens in fragende Augen. Naturfotografen, sind das diese Spinner, die tagelang hinter irgendwelchen Tieren nachschleichen, um dann mit einem einzigen Bild nach Hause zu kommen? Und wie wird man eigentlich Naturfotograf? Gibt es da eine Ausbildung oder gar eine "Naturfotografenschule"? Fragen wie diese zeigen mir immer wieder, dass sich nur sehr wenige vorstellen können, wie meine Arbeit tatsächlich aussieht. Darum versuche ich hier meine Leidenschaft zu beschreiben und anhand einiger Beispiele und Geschichten einen Einblick in meinen Tagesablauf zu geben. Damit sind wir schon beim Kern der Sache: Naturfotograf ist eigentlich gar kein Beruf, sondern eine Berufung. Man kann den Job auch nicht wie jeden anderen erlernen. Das Lernen geschieht viel mehr, indem man vieles einfach versucht und ausprobiert. Und noch etwas, es wird wohl nur wenige Naturfotografen geben, die von Kindheit an hier ihren Traumjob gesehen haben. Diesen Beruf kann man nämlich auch nicht planen, der "passiert" einfach so. |
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Zweifelsfrei ist die Naturfotografie jener fotografische Bereich mit der
größten Vielfalt an Motiven. Die Auswahl reicht von winzig kleinen Lebewesen
bis hin zu riesigen Bergen. Allein die Tierwelt umfasst mehr als eine
Million Arten und jede davon bietet Stoff für gleich mehrere Bücher. Um alle diese Motive fotografisch erfassen zu können, ist eine reichhaltige Palette von Objektiven, Kameras, Stativen und anderen Hilfsmitteln notwendig. Naturfotograf zu sein bedeutet, drei Berufe gleichzeitig zu haben, zumindest ist das dann so, wenn man ein Einmannunternehmen ist, so wie ich eines bin. Da ist einmal der Fotograf, der seine Ausrüstung beherrschen muss und in der Lage sein sollte, gute Bilder damit zu machen. Und dann ist da der Biologe, der über Pflanzen und Tiere bestens Bescheid wissen sollte. Schlussendlich müssen die Bilder an den Mann gebracht, sprich verkauft werden. Da wird dann der Naturfotograf zum "Geschäftsmann" und muss sich um Kunden bemühen, Angebote schreiben oder Steuererklärungen ausfüllen. Nur diese Kombination macht es möglich, Naturfotograf zu sein. Halt, da hätte ich jetzt bald etwas Wichtigstes vergessen: Naturfotografen brauchen auch zwei wichtige Eigenschaften, sie müssen Ausdauer und Geduld besitzen, sonst nützen die Kenntnisse in der Fotografie und Biologie nur wenig. |
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| Um Fröschen, Libellen und anderen wassergebundenen Lebewesen nahe zu kommen, verwende ich eine Wathose und steige damit ins meist kühle Nass. |
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Ich
kenne einige Naturfotografen, die in ihrer Freizeit diese Art der Fotografie
betreiben. Da diese Menschen ja noch einen "richtigen Beruf" haben, der
einen großen Teil ihrer Zeit beansprucht, haben sich einige auf einen
bestimmten Bereich der Naturfotografie spezialisiert. Muss man jedoch von
dieser Art der Fotografie leben, dann ist es notwendig, alle Bereiche
abzudecken. |
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| Hier versuche ich den Obersee, am Staller-Sattel im Grenzgebiet von Ost- und Südtirol gelegen, ins rechte Licht zu rücken. Hinter dem tiefblauen See ragt die Rote Wand und die Höllensteinspitze in den Himmel. Um ungewöhnliche Perspektiven zu erhalten, braucht es ungewöhnliche Kamerastandpunkte und Fotografen die am Boden herumkriechen. |
Die Landschaftsfotografie führt mich oft weit hinauf in die grandiose
Bergwelt der Alpen. |
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Bei
der Fotografie von Wildpflanzen wird man auf ganz andere Weise gefordert.
Hier ist es vor allem die Fülle an Lebewesen, (es gibt in Tirol etwa 10.000
Arten), und deren vielfältige Erscheinungsformen. Angefangen bei den ca.
3.000 Blütenpflanzen über die oftmals winzigen Moose, Flechten und Pilze bis
hin zu den Sträuchern und Bäumen, wartet hier ein unerschöpfliches
Betätigungsfeld. |
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Eine kleine Geschichte, die in einer solchen Situation passiert ist: Ich war
im Wald unterwegs, um Pilze abzubilden. Auf einem vermoderten Ast fand ich
ein winziges Exemplar mit einer leuchtend blauen Kappe. Ich platzierte mein
Stativ direkt über dem Pilz und montierte die Kamera verkehrt herum (siehe
Bild). Dann breitete ich einen Plastiksack auf den nassen Boden und legte
mich darauf, den Kopf nahe am Boden, um durch die Kamera blicken zu können.
Ganz mit dem Motiv beschäftigt hörte ich Schritte auf mich zukommen und dann
fragende Stimmen: "Brauchen Sie Hilfe, ist Ihnen übel geworden oder sollen
wir einen Arzt holen?". Zwei ältere Damen standen mit sorgenvollem Blick
direkt hinter mir. Mit etwas Mühe krabbelte ich unter dem Stativ hervor und
versuchte den beiden mein Tun zu erklären. Grinsend und kopfschüttelnd
wanderten die Seniorinnen dann weiter und ich schlüpfte wieder hinunter zu
meinem kleinen Pilz. |
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| Ein kleines, sehr leichtes und schnell auffaltbares Zelt eignet sich besonders gut für kurze Einsätze. |
| Der
Transport der Ausrüstung ist sehr aufwändig. Das Teleobjektiv, die Kamera,
das Stativ, das Tarnzelt und ein kleiner Hocker, etwas zum Essen und Trinken
sowie ein gutes Buch für die oft lange Wartezeit, sind meine
Minimalausrüstung. Verpackt wird die teure Kamera und das noch teurere Objektiv in einen gut gepolsterten Fotorucksack. Der Rest wird umgehängt oder geschultert und dann heißt es schleppen. Wo es geht, verwende ich einen kleinen Transportwagen oder ein Klappfahrrad. Beides erleichtert den Transport erheblich. |
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Ist der Einsatz eines Tarnverstecks nicht möglich, kann man versuchen sich selbst den Farben der Umgebung anzupassen. Abgeschaut habe ich mir diesen Trick von Schneehühnern und Schneehasen. Diese Tiere kleiden sich während der Wintermonate in weiß und sind so im Schnee perfekt getarnt. So perfekt ist meine Körpertarnung nicht, wie man auf diesem Bild unschwer erkennen kann, doch in Kombination mit einem weißen Tuch ist es auch mir möglich, "fast unsichtbar" zu werden. |
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Bei
der Tierfotografie werden Ausdauer und Geduld oft auf eine harte Probe
gestellt. Ich hab mir da persönlich einen Leitsatz zurechtgelegt: "Fünf
Stunden zu warten, können fünf Minuten zu wenig sein". Und obwohl ich mir
diesen Satz immer wieder in Erinnerung rufe, kommt es manchmal vor, dass ich
einmalige Gelegenheiten verpasse. |
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Tarnverstecke sind ein ideales Hilfsmittel
bei der Tierfotografie. Ich verwende feste Ansitze ebenso wie
unterschiedliche transportable Tarnzelte. Die Ansitze baue ich an guten
Fotoplätzen und dort bleiben sie dann oft über Jahre stehen. Die Tiere
gewöhnen sich vollkommen daran und sehen die Hütten als Teil der Landschaft. Perfekte Tarnung ist ein Voraussetzung dafür, von Tieren nicht entdeckt zu werden. Erst wenn das Objektiv aus dem Versteck hervorlugt, kann man erkennen, was dahinter steckt. |
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Tierfotografie bedeutet für mich aber auch noch etwas ganz anderes, nämlich ein hohes Maß an Verantwortung und Rücksicht gegenüber dem jeweiligen Lebewesen. Wenn ich, ohne ein Versteck zu verwenden, fotografiere und einem Tier meine Anwesenheit dadurch bewusst ist, versuche ich immer sein Wohlbefinden zu erahnen. Manchmal sind es kaum merkbare Hinweise, die mir sagen, dass ich jetzt zu nahe bin oder meine Anwesenheit überhaupt nicht erwünscht ist - dann ziehe ich mich zurück! Kein Foto ist es wert, einem Tier zu schaden. Eine große Einschränkung bei der Tierfotografie, zumindest in weiten Teilen Europas, ist die Scheu der Tiere vor dem Menschen. Der Grund dafür ist die jahrhundertelange Bejagung, bei der immer die zutraulichen und unbekümmerten Tiere zuerst erlegt wurden und die vorsichtigen, scheuen und misstrauischen überlebten. Wie wir von Darwins Evolutionstheorie wissen, entwickeln sich Lebewesen aufgrund solcher Erfahrungen entsprechend weiter und so wurde es auch von Generation zu Generation immer schwieriger, sich den Wildtieren zu nähern. |
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Die Zelte werden zusätzlich mit Ästen, Zweigen oder Schilf getarnt und verschwinden dadurch in der Landschaft. Hier ist mein Freund und Tierfilmer Christian Lechner mit der Tarnung seines Zeltes beschäftigt. Es ist von Vorteil, die Tarnzelte schon einige Tage vor dem eigentlichen Fotoshooting aufzubauen, so können sich die Tiere an das Neue gewöhnen. |
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In
anderen Gegenden der Erde gestaltet sich die Tierfotografie wesentlich
einfacher. Mein Lieblingsgebiet ist diesbezüglich der
Yellowstone-Nationalpark in den nordamerikanischen Rocky Mountains. Dieser
Park wurde 1872 gegründet und war somit der erste Nationalpark der Welt. |
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Um eine möglichst tiefe Kameraposition zu erzielen, verwende ich mein heiß geliebtes Benbo-Stativ. Ohne dieses Hilfsmittel wären Nahaufnahmen von Lebewesen, die nahe am Boden leben, nur schwer möglich. Bei diesem Stativ lassen sich die Beine in jede beliebige Position bringen und man kann die Mittelsäule auch nach unten drehen. So ist es möglich, die Kamera verkehrt herum an das Stativ zu klemmen und nur wenige Zentimeter über dem Boden zu fotografieren. |
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Ein
Umstand, der mir oft zu schaffen macht, sind widrige Witterungsverhältnisse.
Besonders im Winter schränkt die Kälte meine Arbeit manchmal sehr ein, und
es braucht schon einige Hilfsmittel, um einen klirrenden Wintermorgen im
winzigen Tarnzelt gut zu überstehen. |
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Manchmal verwende ich auch mein Auto zum Übernachten. Passiert das weit droben in den Bergen, kann eine Nacht schon recht frisch werden. Ein mit Reif überzogenes Fahrzeug ist der Beweis für nächtliche Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. |
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| Manchmal
macht man als Naturfotograf Sachen, bei denen man sich besser nicht
beobachten lassen sollte und die für Außenstehende vollkommen unverständlich
erscheinen mögen. Hier arbeite ich als "Landschaftspfleger" und versuche
eine glatte Schneefläche zu erzeugen. Die Vorgeschichte dazu ist folgende:
Ich hatte gemeinsam mit meinem Freund und Hobbynaturfotografen Markus
Springer einen Winteransitz errichtet. Dort fotografierten wir Vögel,
vorrangig hatten wir es auf Mäusebussarde abgesehnen. Wir präsentierten den
Vögeln Fleischreste und diese ließen nicht lange auf sich warten. Vollkommen
ausgehungert und geschwächt durch den langen und harten Winter, kamen sie in
großer Zahl. Wir hatten einige Äste als Anflugmöglichkeit für die Bussarde in den Schnee gesteckt und diese wurden von ihnen auch gerne benutzt. Dann kam es jedoch zu Situationen, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Durch die Vielzahl der Vögel ließen sich oft mehrere gleichzeitig am Boden nieder und es kam immer wieder zu Streitigkeiten um das Futter. Wir konnten diese spannenden Momente aber nur bedingt fotografieren, weil der Schnee durch unsere eigenen Fußspuren viele Unebenheiten aufwies und die Vögel dadurch oft teilweise verdeckt wurden. Um wieder ungestört fotografieren zu können, mussten wir die Landschaft in mühevoller Arbeit einebnen. Der nächste Schneefall erledigte den Rest und der Mühe Lohn waren einige gute Bilder. |
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Abschließend schildere ich noch ein wenig meine Arbeit, die nicht in der
freien Natur, sondern im Büro zu erledigen ist. Der größte Teil davon ist
die Bearbeitung und Verwaltung meiner Bilder am Computer. Seit dem Einzug
der Digitalfotografie hat sich sehr viel verändert. Im Frühling 2005
entschloss ich mich, nach langem Zögern, eine digitale Spiegelreflexkamera
zu kaufen. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war dieser Zeitpunkt ideal.
Davor war diese Technik noch zu wenig ausgereift und Digitalfotografen
kämpften mit großen Problemen. Meine erste Digitale erwies sich jedoch als
zuverlässige Kamera und auch die Bildqualität war beeindruckend. Zudem gab
sie mir die Möglichkeit, das Ergebnis meiner Fotografie gleich am Ort
kontrollieren zu können. Im Bereich der Naturfotografie hat man oft nur
einmal die Chance auf ein bestimmtes Motiv. Als ich noch mit Diafilmen
arbeitete, dauerte es zumindest zwei Tage, bis ich das Ergebnis in Händen
hielt - und war das Resultat für mich nicht zufrieden stellend, war es
meistens zu spät für einen nochmaligen Anlauf. |
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Ein wichtiger Teil meiner Arbeit spielt sich im Büro ab, die Vermarktung meiner Bilder. |
| Ich hoffe, die Arbeit eines Naturfotografen etwas transparenter gemacht und dabei auch etwas von meiner Naturbegeisterung weitergegeben zu haben. Unsere Natur ist so bedroht wie nie zuvor und braucht viele Verbündete. Diese vielfältige Bedrohung kann man jedoch nur erkennen, wenn man die Natur versteht! |