Fotografie
| Ich kenne einige Naturfotografen, die in ihrer Freizeit diese Art der Fotografie betreiben. Da diese Menschen ja noch einen “richtigen Beruf” haben, der einen großen Teil ihrer Zeit beansprucht, haben sich einige auf einen bestimmten Bereich der Naturfotografie spezialisiert. Muss man jedoch von dieser Art der Fotografie leben, dann ist es notwendig, alle Bereiche abzudecken. Die Naturfotografie konzentriert sich auf drei Themen: Landschaften, Pflanzen und Tiere. Was die beiden letztgenannten angeht, so gibt es hier noch eine spezielle Art der Naturfotografie, nämlich die Makrofotografie. Bei diesen Nahaufnahmen dringt man mit der Kamera in Bereiche vor, die unserem Auge im Normalfall verborgen bleiben. Dabei wird die faszinierende Innenwelt der Insekten, der Blätter etc. sichtbar. Welches dieser drei Themen das schwierigste ist, wage ich nicht zu beantworten. In jedem Bereich werden an den Fotografen unterschiedliche Ansprüche gestellt. Will man beeindruckende Landschaften festhalten, bedeutet das oft, dass man weit reisen muss, oder, so wie es sich in Tirol darstellt, oft sehr weite Fußmärsche auf sich nehmen muss. Da Tirol zum Großteil aus Bergen besteht, heißt das auch, steile und anstrengende Auf- und Abstiege bewältigen zu müssen. Meist ist es notwendig, einen fotogenen Platz mehrmals aufzusuchen, um ansprechende Stimmungen und “das richtige Licht” zu erhaschen. Dabei sind die frühen Morgenstunden und das letzte Licht des Tages besonders attraktiv. Um diese Stunden ohne Zeitdruck zu erleben, bleibe ich oft am Ort und übernachte in den Bergen. Das dichte Netz an Alpenvereinshütten ist hier sehr hilfreich, aber auch im Zelt oder unter freiem Himmel hab ich schon so manche Nacht im Gebirge verbracht. In Tirol hat der Landschaftsfotograf noch mit einem anderen Umstand zu kämpfen. Fast überall finden sich menschliche Spuren, sei es eine Seilbahn am gegenüber liegenden Berghang, ein Forstweg oder nur ein Wegweiser. Solche Dinge gehören nicht auf ein Naturfoto, hier erwartet der Betrachter “Natur pur”. Daher ist es manchmal fast eine Kunst, Landschaftsbilder so zu gestalten, dass man diese Dinge nicht sieht. |
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| Hier versuche ich den Obersee, am Staller-Sattel im Grenzgebiet von Ost- und Südtirol gelegen, ins rechte Licht zu rücken. Hinter dem tiefblauen See ragt die Rote Wand und die Höllensteinspitze in den Himmel. Um ungewöhnliche Perspektiven zu erhalten, braucht es ungewöhnliche Kamerastandpunkte und Fotografen die am Boden herumkriechen. | Die Landschaftsfotografie führt mich oft weit hinauf in die grandiose Bergwelt der Alpen.In dieser Welt der Felsriesen und Gletscher relativieren sich viele Dinge und selbst komme ich mir da oft klein und unscheinbar vor, wenn ich versuche, mit meiner winzigen Kamera diese Größen zu erfassen. |
| Bei der Fotografie von Wildpflanzen wird man auf ganz andere Weise gefordert. Hier ist es vor allem die Fülle an Lebewesen, (es gibt in Tirol etwa 10.000 Arten), und deren vielfältige Erscheinungsformen. Angefangen bei den ca. 3.000 Blütenpflanzen über die oftmals winzigen Moose, Flechten und Pilze bis hin zu den Sträuchern und Bäumen, wartet hier ein unerschöpfliches Betätigungsfeld. Beste Kenntnisse der Pflanzenbiologie sind notwendig, um Standort, Zeit des Wachstums oder Blütezeit zu wissen. Auch biologische Zusammenhänge sind wichtig. So gibt es viele Arten des Zusammenlebens von Pflanzen mit Tieren, so genannte Symbiosen, die interessante Motive ergeben. Viele Naturfotografen verfallen bei dieser Motivvielfalt in eine Art Sammelleidenschaft. So wie andere Briefmarken sammeln, horten sie Pflanzenbilder. Dabei vergessen sie oft auf einen wichtigen Aspekt der Fotografie: die künstlerische Gestaltung eines Bildes. Es ist zum Beispiel gar nicht so leicht, eine einzelne Pflanze aus dem Wirrwarr einer Wiese fotografisch herauszupicken und harmonisch abzubilden. Meist erweist sich ein lebhafter Hintergrund als störend und nimmt dem Bild die Ruhe. Da heißt es die technische Seite der Naturfotografie hervorzukehren und über die Wahl des Objektivs und der Kameraeinstellungen zum Ziel zu gelangen. Wenn ich Pflanzen fotografiere, verwende ich meist mehr Zeit mit der Gestaltung des Hintergrunds als mit dem eigentlichen Motiv. Dabei haben sich schon so manche Menschen über mich gewundert, wenn sie mich am Bauch liegend oder zwischen den Stativbeinen am Boden kauernd vorgefunden haben. |
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